Darf man das Bild eines toten Kindes zeigen?

Enno Lenze Flüchtlinge


Darf man das Bild vom dreijährigen ertrunkenen Alan Kurdi aus Kobane verbreiten? Was würde er wollen? Was will seine Familie? Ich habe das Bild geteilt, weil es eben nicht brutal ist. Kein "Schock" Bild, kein Blut, kein Krieg. Es ist hoffnungslos und traurig. Und es zeigt den unsinnigen Tod eines schuldlosen Kindes.
Ich habe in den vergangenen Jahren viel mit Flüchtlingen gesprochen. Ich stand mit Soldaten und dem Nachrichtendienst an der syrischen Grenze und habe gesehen, wie sie ankamen. Ich war in den Camps von Dohuk über Mossul bis Erbil und Halabja und habe in Ruhe mit ihnen geredet. Ich habe in Deutschland mit denen gesprochen, die es her geschafft haben. Immer wollten sie sich das Leid von der Seele erzählen und immer wollten sie, dass ihre Geschichte verbreitet wird. "Alle sollen es wissen", "Bitte erzähle Frau Merkel von mir" und "Gib mein Video an alle Fernsehsender!" waren Sätze, die ich oft gehört habe. Auch der Vater und der Onkel des ertrunkenen Kindes hat viel mit den Medien gesprochen. Er sagt, das Bild soll verbreitet werden. Es soll die Menschen wach rütteln. Sonst sterben jeden Tag weitere Menschen.

Warum finden so viele Menschen in Deutschland es falsch das Bild zu verbreiten? Sie kennen so etwas nicht. Sie wohnen in ihrer Behüteten Welt und für sie ist so ein Bild eines der Schlimmste Dinge, die sie je sehen werden. Für die Menschen vor Ort ist es der Alltag. Wenn Aylan so zum Symbolbild des unsinnigen Todes wird, dann bringt es ihn nicht wieder. Aber so kann er der Schutzengel der anderen Kinder werden, die er mit seinem Schicksal rettet.