ZPS: Alleinnützige Gesellschaft ohne Haftung

Religionen und Glaube sind für Außenstehende schwer zu verstehen. Für Gläubige unter sich wird es sogar komplizierter und nicht einfacher. Je mehr man in die Details geht, desto mehr wird diskutiert. Aber es gibt Dinge, die allgemeingültig sind. Spricht man mit Deutschen, so trifft man am ehesten auf römisch-katholische oder evangelische Christen oder auf Menschen, die den christlichen Glauben in Grundzügen kennen. Ostern, Weihnachten, ein paar andere Feiertage und Totenruhe. Man macht auf dem Friedhof keine Party. Man macht sich nicht über das Grab lustig, in dem die Eltern der Nachbarn liegen. Und wenn einem das Grab einer fremden Person nicht gefällt, dann buddelt man die sterblichen Überreste nicht ungefragt aus, um sie auszustellen.

Man könnte annehmen, dass solche grundlegenden zivilisatorischen Errungenschaften des Miteinanders überall auf der Welt gelten. Aber es gibt Leute, die meinen, bei Juden müsste es anders sein. Dabei ist die Totenruhe im jüdischen Glauben strenger als bei Christen.

Jüdische Gräber sind für die Ewigkeit

Friedhöfe werden im Judentum als Bet Haolam, als Ort der Ewigkeit, bezeichnet. Gräber werden nicht eingeebnet, sondern bestehen ewig. Daher legt man Steine und keine Blumen aufs Grab. 

Dr. Almekias Siegl, der Landesrabbiner von Sachsen erklärt: „Die Umbettung macht man nur, wenn von hier das Grab oder die Knochen oder die Leiche nach Israel geliefert sollte. Zum Zweiten, wenn er in einer anderen Stadt seine Angehörigen haben, die den das Grab pflegen wollen. Sonst ein Grab ist heilig.

In der Bundesrepublik stieß man in der Vergangenheit immer wieder auf jüdische Gräber, die bisher nicht bekannt waren. Als ein Grab in einer zu bauenden U-Bahn-Trasse lag, wurde angeboten, die Trasse zu verlegen.

Sonderfall Shoa

Im Holocaust, von den jüdischen Zeitzeugen als Shoa bezeichnet,  wurden sechs Millionen Juden ermordet. Als die Vernichtungslager befreit wurden, mussten viele Ermordete in kurzer Zeit beerdigt werden – auch um die Ausbreitung von Seuchen zu verhindern. Um den Toten schnell zur ewigen Ruhe zu verhelfen, gab es Massenbegräbnisse, bei denen die Identitäten oft nicht geklärt werden konnten. Dennoch war es den Rabbinern so möglich, auch eine unklare Menge von Toten (eingeäschert oder nicht) beizusetzen. So hat  Leslie Henry Hardman in Bergen Belsen die Beisetzung von 20.000 Menschen begleitet und sprach das Kaddisch. So wurde ihnen „die Würde im Tod gegeben, der sie im Leben beraubt wurden“.

Ein letzter Akt, so würdevoll, wie irgendwie möglich, den Umständen geschuldet zwischen Bulldozern und in einem zerstörten Kontinent. So konnte man nicht in allen Vernichtungslagern verfahren. Unzähligen Juden wurde der Weg in den ewigen Frieden genommen.

Bis heute finden jedes Jahr viele Gedenkveranstaltungen statt: In Synagogen, in den ehemaligen KZs, teilweise mitten im Wald, auf Feldern auf jüdischen Friedhöfen. Oft sind die Veranstaltungen klein, es kommen die letzten Angehörigen, Mitglieder der Gemeinde, Fremde, denen es ein Anliegen ist. 

Das Zentrum für politische Schönheit 

Philipp Ruch, der sich im Internet „Zentrum für Politische Schönheit“ nennt, veröffentlichte ein Video, auf welchem zu sehen ist, wie sein Gefolge mit einem Bagger etwas ausgräbt. Es hieß, sie hätten die Überreste von Juden ausgegraben und diese in Berlin, vor dem Reichstagsgebäude, ausgestellt. Später wurde aufgrund von Recherchen über Ruch berichtet, dass sie auch Knochenteile ausgegraben, dann aber verloren haben.

Für viele Hinterbliebene ist das ein Schock. Und ein triviales Problem: An wen wendet man sich, um Details über die Grabung zu erhalten? Philipp Ruch ist mit Spenden sammeln und PR beschäftigt. Er beantwortet Anfragen dazu nicht. Die Jüdische Gemeinschaft versucht, die Menschen zu beruhigen – hat aber auch keine Antwort. Im Impressum seiner Website steht er als Privatperson mit einer anonymisierten Adresse, bei der nur Briefe angenommen werden. Es gibt eine Bankverbindung ohne Namen und die Möglichkeit zu spenden. Wer das Geld wofür erhält, ist unklar. „Zentrum“ soll vermutlich wichtig und groß klingen. „Alleinnützige Gesellschaft ohne Haftung Philipp Ruch“ würde sicher weniger Einnahmen generieren.

Herr Ruch hat keine Hotline für Betroffene und tritt nicht in Kontakt mit den mehr als einhundert jüdischen Gemeinden. Wer Informationen will, solle seinen Social Media-Kanälen folgen. Dort heißt es plötzlich, den Bagger habe es nie gegeben, es handele sich um zugekauftes Filmmaterial. Sollte es besonders martialisch wirken? Sollte es teuer aussehen und mehr Einnahmen generieren? Oder sollte es die Betroffenen mehr schocken? Unklar. Und welcher Aussage soll man nun glauben? Aber auch wenn man fragt, wird es nicht besser.

Den Hinterbliebenen die Schuld geben

Eliyah Havemann, einem Betroffenen, wird auf Nachfrage erklärt: „Wo waren die Opfer des Holocaust, bevor wir nach ihnen gesucht haben? Wir hoffen, dass die Angehörigen wertschätzen können das wir die Opfer des Holocaust der Lieblosigkeit entrissen haben“ [sic!]. 

Die bisherigen Begräbnisse und Gedenkveranstaltungen sind also lieblos? Und wo die Opfer waren? Das erfährt man in der Schule, in Zeitungen, Museen, Gedenkstätten und vielem mehr. Nur Herr Ruch scheint es nicht gewusst zu haben. Es ist, wie wenn ein ungebildeter Freund die „Sendung mit der Maus“ guckt und einem die ganze Zeit als „neu“ verkauft, was er gelernt hat, was aber für alle anderen Allgemeinbildung ist.

Andere Betroffene, wie der Beauftragte für Antisemitismus der jüdischen Gemeinde zu Berlin, werden direkt blockiert. 

Jüdische Gemeinschaft kennt das

Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland ist Leid gewohnt. Solche Dinge sind hier nicht neu. Wie Dr. Elio Adler, Vorsitzender der Werteinitiative für jüdisch-deutsche Positionen sagte „Wir Juden machen seit Jahrtausenden extinction rebellion!“ Somit verwundert es nicht, dass viele der jüdischen Organisationen bei solchen Aktionen bereits resigniert haben und sich einfach nicht mehr zu Wort melden. Würden sie alles kommentieren, hätten sie viel zu tun.

NS-Duktus

Nachdem die PR genug, äh die Kritik zu viel wurde, legte Herr Ruch nach und erneuerte seine Ausstellung. Diesmal ohne Asche der Juden. Auf Twitter verkündete er, sein „Sonderbetonkommando“ habe nun ein Fundament gegossen. Als „Sonderkommando“ bezeichnet man zum Beispiel Häfltingskommandos, die von schlimmsten Sadisten getrieben wurden, welche mit viel Spaß Juden und andere gejagt und ermordet haben. Das bekannteste ist das „Sonderkommando Auschwitz“.

Es gab auch ein Betonkommando. „Im Betonkommando (Kommando 8) mussten Häftlinge 15 bis 30 Meter unter der Erde gelegene Bunker errichten, die als Luftschutzunterstände dienten.

Auf Rückfrage denkt sich Herr Ruch eine Geschichte aus, die wenig überzeugend ist. Er habe diesen Begriff an das „Sondereinsatzkommando“ (SEK) angelehnt. So ein Kommando gibt es nicht. Es gibt bei der Polizei Spezialeinsatzkommandos (SEK). Diese haben genau aufgrund der historischen Bedeutung des Wortes „Sonderkommando“ einen anderen Namen. Auch wenn diese Erklärung also faktisch falsch ist, bleibt Herr Ruch dabei.

Person, Verein, Unternehmen

Spendet man über die Homepage, in deren Impressum Ruch privat steht, so geht die Spende gar nicht an ihn. Die hinterlegte Emailadresse ist mit einem Paypalkonto verbunden, welches einem gemeinnützigen Verein gehört. Dieser soll auch die Spendenbescheinigung ausstellen, die bei Versuchen dazu aber nie ankamen. Der Verein hat Angestellte, Ruch ist nicht im Vorstand. Sonst ist wenig bekannt.

Den ZPS Leute gehören auch drei Unternehmen, deren Zweck unter anderem die Vermarktung von Kunstwerken ist.

Alleinnützig, aber fatal

Dass Mensch alle möglichen Wege beschreiten, um Geld zu machen und sich in den Mittelpunkt zu rücken, ist nichts Neues. Dass man dies aber auf dem Rücken der im Holocaust ermordeten Juden machen muss, ist verabscheuungswürdig. Leider ist dieses Kapitel noch nicht vorbei. Seine Stele steht immer noch. Der Text darauf besteht aus Klebebuchstaben. War wohl billiger.